Den rund 20 überlieferten Kantaten, die in den Weimarer Jahren (1708 bis 1717) entstanden, kommt eine Sonderstellung in Johann Sebastian Bachs Vokalschaffen zu.
Oft kammermusikalisch besetzt, sprühen sie vor Experimentierfreude und musikalischer Phantasie, bezaubern sie überdies durch spirituelle Intimität. Im Weimarer Hofdichter Salomon Franck fand der junge Bach einen kongenialen Sparringpartner für seine monatlich abzuliefernden Werke. Wir freuen uns sehr, auch gegen Ende unserer Trogener Kantatenreihe mit BWV 152 «Tritt auf die Glaubensbahn» nochmals ein solches Juwel aus dem kleinen, aber kulturell wirkungsvollen Fürstentum präsentieren zu können. Es gilt allerdings auch anzumerken, dass der fromme «Singvogel» Bach im Jahr 1717 das wohl doch allzu eng gewordene Weimarer Gehege nach einem keck vorgetragenen Veränderungswunsch und seiner prompt folgenden Arretierung abrupt verliess. Sowas tut man nicht, wenn man nicht Grösseres im Sinne hat. Die nächste Lebensstation war Köthen, 1723 folgte Leipzig, wo sich die Schaffenskraft dann richtiggehend entladen konnte.
Unser nächster Reflexionist, Prof. Roland Reichenbach von der Universität Zürich, ist Erziehungswissenschaftler. Ohne etwas vorwegnehmen zu wollen (was wir ohnehin niemals tun würden), läge es natürlich recht nahe, Johann Sebastian Bachs Emanzipation aus Weimar heraus an der Aufforderung zum bewussten «Tritt auf die Glaubensbahn» zu spiegeln, vielleicht auch an Bachs durchaus vorhandenem Selbstbewusstsein, von seinem Schöpfer als Eckstein eines musikalischen Tempelbaus eingesetzt zu sein. Das Bild des Ecksteins begleitet uns durch den ganzen Kantatentext hindurch, ist sozusagen ihr Leitmotiv. Aber wie gesagt, wir wollen nichts vorwegnehmen …
Falls es Sie in den nächsten Tagen zufällig nach Sachsen-Anhalt verschlagen sollte, weisen wir gerne darauf hin, dass wir am 16. September im Dom zu Merseburg zu Gast an den diesjährigen Merseburger Orgeltagen sind. Unser Chor und Orchester sind unter der Leitung von Rudolf Lutz eingeladen, unsere Johannespassion BWV 245 zum Besten zu geben. Wir freuen uns darauf, mit grossem Ensemble auf Reisen sein zu dürfen und vielleicht sind Sie mit dabei.
Für die unter Ihnen, die uns gerne im Ohr haben, kommt hier noch ein kurzfristiger Radio-Tipp: Morgen Samstag, 6. September um 10.04 Uhr, ist Rudolf Lutz zu Gast in der Sendung «Treffpunkt Musik» auf SWR Kultur. Im Gespräch mit der Moderatorin Ilona Hanning gibt er Einblicke in sein Leben und spricht über Musik, die ihm besonders am Herzen liegt. Wer die Sendung nicht live hören kann, findet sie anschliessend auch online in der SWR-Mediathek.
Schliesslich warten wir noch mit unserer nächsten CD und zwar bereits der Nr. 51 auf. Drei Kantaten sind darauf zu finden: BWV 149 «Man singet mit Freuden vom Sieg». Ausserdem präsentiert die neue CD die Werke BWV 88 «Siehe, ich will viel Fischer aussenden» und BWV 148 «Bringet dem Herrn Ehre seines Namens». Vorbestellungen nimmt unsere Geschäftsstelle gerne entgegen und anfangs Oktober liefern wir die neue CD aus.








