BWV 206 «Schleicht, spielende Wellen» Kantate zum Geburtstag von August III.
Wer nach der Sommerpause noch reisefreudig ist, muss am 22. August 2025 unbedingt nach Trogen kommen. Denn die Kantate BWV 206 «Schleicht, spielende Wellen» führt uns durch halb Mitteleuropa. Vier sehr unterschiedliche Flüsse, nämlich Weichsel, Elbe, Donau und Pleisse (ein eher pfützenartiges Gewässer bei Leipzig) werden besungen, ja, sogar dem Lech und dem Inn wird Reverenz erwiesen. Eine barocke Geografiestunde der besonderen Art!
Dies zum Zwecke der Huldigung an August III. von Sachsen und Polen, einem machthungrigen Potentaten, wie es sie früher noch gegeben hat. Das die Grenzen peinlicher Lobhudelei durchaus überschreitende Libretto wurde, wie wäre es anders zu erwarten, von Johann Sebastian Bach meisterlich farbig und prachtvoll in Musik gegossen – wir heutige Menschen dürfen uns daran unbeschwert ergötzen, ohne nach tieferer Sinnhaftigkeit suchen zu müssen. Ein reines Vergnügen also, das aufgrund der Länge des Stückes nur einmal und nicht doppelt dargeboten wird.
Für Sinnhaftigkeit ist dennoch gesorgt. Erstens in der sogenannten «Calov-Runde» anderthalb Stunden vor der Werkeinführung. Wir werden uns mit dem Thema «Machtentfaltung» in der Bibel befassen und so eine eigene Perikope zur Kantate 206 basteln. Dies natürlich anhand des Bibelkommentar-Faksimiles aus dem Hause Bach. Zweitens wird die Werkeinführung dieses Mal von Rudolf Lutz und der Philosophin und unserer Kuratorin der Reflexionsreihe Barbara Bleisch bestritten. Die beiden werden nebst musikalischer Einführung über den schmalen Grat zwischen Huldigung und Kriecherei und über die Frage, warum Philosophen und Philosophinnen Flüsse so faszinierend finden, sinnieren. Eine Form der Auflösung erwartet uns dann drittens: Unsere Reflexionsreferentin, die Philosophin Eva Weber-Guskar, wird dem Fluss als philosophisches Motiv nachgehen und fragen, was uns der Fluss über uns selbst lehren kann. Es geht ihr dabei um die Frage, was es heisst, mit dem spezifisch menschlichen Zeitbewusstsein, das alle drei Dimensionen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft umfassen kann, zu leben und vor allem gut zu leben. Ein Thema von höchster Aktualität.
Schliesslich nutzen wir die Gelegenheit für einen kleinen Freundschaftsdienst: Mit der geschätzten Pianistin und phänomenalen Bachinterpretin Angela Hewitt sind wir und Sie bestens bekannt. Durften wir doch grossartige Konzerte mit ihr im Rahmen der Appenzeller Bachtage erleben. Nun besucht Angela Hewitt zum ersten Mal das idyllische Musikdorf Ernen im Oberwallis. In fünf Rezitals innerhalb von drei Tagen präsentiert die kanadische Meisterpianistin ihre wunderschön singenden Bach-Interpretationen sowie einige der bekanntesten Klavierwerke von Haydn, Mozart und Brahms. Lassen Sie sich wieder einmal begeistern von Angela Hewitt und erleben Sie Bach neben St. Gallen auch im Wallis.








